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Autor Thema: "Die Beute von Annfwn" von Robin Gates  (Gelesen 3420 mal)

Bodvos

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"Die Beute von Annfwn" von Robin Gates
« am: 31. Juli 2009, 22:46:38 »

Die Beute von Annfwn
von Robin Gates


Die Geschichte "Die Beute von Annfwn" aus dem altwalisische Lied "Preiddeu Annfwn" aus dem Buch Taliesins (Llyfr Taliesin) hat sich der Autor Robin Gates genommen, um aus verschiedenen englischen Quellen eine neue deutsche Fassung zusammenzustellen.

Einer der suggestivsten mythologischen Texte der keltischen Kosmologie ist das altwalisische Lied "Preiddeu Annfwn" aus dem Buch Taliesins (Llyfr Taliesin). Der Titel lautet übersetzt etwa "Die Beute von Annwfn". Es ist ein nur sehr schwierig mit dem Intellekt zu erfassender Text, denn für das Verständnis von vielem, von dem er spricht, fehlt uns heute der größere Hintergrund, aus dem er herausgerissen wurde. Dennoch ist es möglich, sich diesem Lied intuitiv zu nähern, indem man sich beispielsweise in Trance versetzt, den Text langsam Zeile für Zeile von einer vortragenden Person ( oder einer vorher besprochenen Kassette) anhört und dabei die Emotionen und Bilder wahrnimmt, die in einem aufsteigen. Denn Preiddeu Annwfn ist mehr als nur ein Lied über eine Abenteuerfahrt. Es ist eine mit vielen magischen Symbolen versehene Initiationsreise ins eigene Selbst.

In diesem Lied begegnen wir Arthur, der mit seinen Kriegern in dem Schiff Prydwen in die Anderswelt fährt, an einen Ort namens Annwfn (gesprochen: "annuvn"; "w" = "u"). Sie unternehmen diese Expedition, um durch die verschiedenen Caers ( Burgen oder Festungen) zum Kessel der Wiedergeburt vorzudringen, den sie in die Menschenwelt bringen wollen. Es ist eine gefährliche und tödliche Reise, denn im Refrain heißt es immer wieder, daß "keiner außer Sieben" zurückkehrt. Annwfn ist in der keltischen Mythologie ein Ort, der in den ältesten Texten als eine Insel jenseits der von Menschen bewohnten Gegenden beschrieben wird; teilweise ist es auch ein Ort unter der Erde.

Das Wort "Annwfn" kann "Innen/ Unterwelt" oder auch "Nicht-Welt" bedeuten. Arthurs Reise ist also auf einer spirituellen Ebene eine Reise ins Unbewußte des eigenen Selbst, um dort das Prinzip von Tod und Wiedergeburt, repräsentiert durch den magischen Kessel, zu verinnerlichen, aufzunehmen und somit ins Bewußtsein, in die Menschenwelt zu holen. Es ist ein Prozeß, der überflüssige und für den spirituellen Fortschritt hinderliche Verhaltensweisen, mit denen man die Herausforderung angenommen hat, zerstört; deshalb kehren auch nur sieben Krieger zurück, die damit der Zahl der Vollkommenheit entsprechen

Bisher konnten hauptsächlich zwei Initiationsereignisse in dem Gedicht teilweise entschlüsselt werden. Das eine ist die Befreiung des jugendlichen Helden, der ähnlich wie Mabon in der Geschichte von Kulhwch und Olwen die als im Kerker der Nacht gefangene Morgensonne repräsentiert, der junge Funke des Göttlichen, der unbewußt in jedem Menschen schlummert und durch die Inititation ins Bewußtsein geholt wird. Das andere ist die Erbeutung des Kessels. Dieser ist, wie archäologische und schriftliche Zeugnisse belegen, das hauptsächliche sakrale und rituelle Gefäß der Kelten schlechthin und ein Nährboden für die späteren Vorstellungen vom Gral. Einerseits stellt er ein Symbol für die Fülle des Lebens dar, denn immer wieder tauchen in den Mythen der
Kelten Kessel auf, in denen endlos Speisen kochen, ohne je leer zu werden, andererseits ist er aber auch ein Symbol des Todes; im Kessel werden nach Lukan die Opfer für Teutates ertränkt. Vereinigt werden diese beiden Symbole in der irischen Überlieferung von Brans Kessel, in dem die Toten wieder zum Leben erweckt werden, ein kraftvolles Bild für die ständige Transformation von Leben und Tod.

Von den in diesem Lied auftauchenden Namen sind nur wenige überliefert. Pwyll und Pryderi aus der ersten Strophe des Liedes sind zwei Figuren aus dem Mabinogion. Pwyll, der Vater von Pryderi, ist der Fürst von Dyfed. Er übernimmt in der ersten Geschichte des Mabinogion für ein Jahr die Herrschaft in Annwfn, fungiert also auch in diesem Lied als der König der Unterwelt. Prydwen ist Arthurs Schiff, mit dem er auch in der Geschichte von Kulhwch und Olwen nach Irland übersetzt. Es symbolisiert, ähnlich wie die Tarotkarte "Der Wagen", die Balance zwischen Intuition und Rationalität, mit der sich der spirituelle Krieger oder die Kriegerin der Herausforderung einer abenteuerlichen Reise ins eigene Selbst stellt, einer Reise, die das Göttliche in der eigenen Person durch einem Akt von Tod ( des alten Menschen) und Wiedergeburt (des neuen Menschen) ans Licht des Wachbewußtseins zu bringen vermag. Möge Taliesins Lied von der Beute von Annwfn auch noch in diesem Zeitalter seinen Teil dazu beitragen!
Meine Übersetzung ist eine Mischung aus den englischen Texten von Thomas Stephens und John Matthews.
 

Besuche Robin Gates´ Homepage: http://www.runland.de/


Preiddeu Annwfn
von Robin Gates



Vollkommen war das Gefängnis von Gweir in Caer Siddi,
Durch die Erlaubnis von Pwyll und Pryderi,
Niemand wurde vor ihm dorthin geschickt.
Eine schwere blaue Kette hielt den Jüngling,
Und vor Annwfns Beraubung sang er düster,
Bis befreit er sein Lied fortsetzte.
Dreimal die Fülle von Prydwen gingen wir hinein,
Bis auf Sieben kehrte keiner zurück von Caer Siddi.
Bin ich nicht ein Anwärter auf Ruhm, im Liede gedacht zu werden ?
In Caer Pedryvan, viermal umlaufend
Werden meine ersten Worte vom Kessel sein, die es ausdrückt,
Mit einer Welle um seinen Perlenrand.
Vom Atem von neun Jungfrauen wird er sanft erwärmt,
Darin keine Speise für den Feigling kocht.
Ein hell funkelndes Schwert wird zu ihm gebracht werden
Und in der Hand von Llemynaug zurückbleiben,
Und vor den Toren der Unterwelt werden die Hörner des Lichts brennen
Und als wir mit Arthur bei seinen glanzvollen Anstrengungen gingen,
Kehrte bis auf Sieben keiner zurück von Caer Vedwid.
Bin ich nicht ein Anwärter auf Ruhm, im Liede gedacht zu werden?
In der viereckigen Festung, auf der Insel des starken Tors,
Wo die Dämmerung und die Nacht zusammenrücken,
War funkelnder Wein das Getränk des Gastes.
Dreimal die Fülle von Prydwen stachen wir in See,
Außer Sieben kehrte keiner zurück von Caer Rigor.
Keinen Verdienst will ich haben aus der Menge derer,
Die Heldentaten aufzählen.
Jenseits von Caer Wydyr wissen sie nichts von Arthurs Mut.
Dreimal zweitausend Mann standen auf den Mauern.
Es war schwierig, mit ihrem Anführer zu sprechen.
Dreimal die Fülle von Prydwen gingen wir mit Arthur,
Außer Sieben kehrte keiner zurück von Caer Golur.
Keinen Verdienst will ich haben aus der Menge derer,
Die ihre Schilde hinter sich herschleppen.
Sie wissen nicht, an welchem Tag, oder durch wen
Zu welcher Stunde des glänzenden Tages Cei geboren wurde,
Noch was ihn davon abhielt, in die Täler von Drevwy zu gehen.
Sie kennen nicht den Scheckigen Ochsen mit seinem dicken Stirnband,
Die Siebenkerben-Knöpfe auf seiner Halskette.
Und als wir mit Arthur gingen, voll trauriger Erinnerung,
Kehrte außer Sieben keiner zurück von Caer Ochren.
 
« Letzte Änderung: 31. Juli 2009, 22:52:58 von Bodvos »
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