Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Benutzername: Passwort:

Autor Thema: "Ahnen, Kreislauf und Natur" von Bodvos  (Gelesen 2841 mal)

Bodvos

  • Archivverwalter
  • Besucher
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 14.686
  • Glaube: Celtoi
    • http://Celtoi.net
"Ahnen, Kreislauf und Natur" von Bodvos
« am: 31. Juli 2009, 22:36:35 »

Ahnen, Kreislauf und Natur
von Bodvos


Vor der Verstädterung und der Industrialisierung baute der Mensch seine Nahrung vor Ort an anstatt sie über tausende Meilen zu transportieren wie es heute teilweise der Fall ist. Das Getreide stand auf den Feldern, das Gemüse wuchs im Garten, die Schweine standen im Koben und die Kühe auf der Weide. Der Mensch ernährte sich von den Früchten seiner Arbeit und was er nicht verwerten konnte gab er dem Land als Kompost und Dünger wieder. Ebenso gaben die Tiere dem Land wieder, was sie nicht verwerten konnten und düngten mit ihrem Kot die Felder und Wiesen. Das was die Menschen wieder ausschieden ging nicht durch eine Kläranlage oder wurde in Flüssen entsorgt sondern wandert in Donnergruben oder auf dem Mist und fand so wieder seinen Weg in die Natur. Auf diesem Weg wurden die Menschen zum Land und den Tieren und die Tiere ebenfalls. Das Land wurde Mensch und unsere Ahnen leben im Land weiter das sie jahrzentelang beackert haben und in dem sie begraben liegen. Indem man nicht nur vom Land lebt sondern mit dem Land, ja sogar zum Land wird gräbt man seine Wurzeln tief in den Boden, wie ein Samenkorn das aufgeht und seine ersten Triebe gen Himmel und gen Erde reckt.

Durch die industrialisierte Gesellschaft wurde Massenanbau notwendig und Düngung der Felder mit Kunstdünger. Unsere Exkremente finden den Weg nicht mehr auf die Felder indem sie in Kläranlagen ausgefiltert werden und unsere tierische Nahrung läuft nicht mehr über die Wiesen sondern steht in Betonbuchten und wartet auf die Verwertung. Sicherlich wird man den Prozess der Verstädterung und der Industrialisierung nicht mehr rückgängig machen können, es sei den etwas wie der schwarze Tod sucht die Erde wieder heim, aber muss man sich darüber klar werden, wie sehr uns die moderne Gesellschaft von der Erde die uns ernährt und auf der wir wandeln abgeschnitten hat. Statt heimischen Wild gibt es im Kühlregal im SB Markt Wildbret aus Neuseeland! oder Rindsfleisch aus anderen EU Staaten bzw das vielgerühmte Rindfleisch aus Argentinien. Unsere Wurzeln sind beschnitten und ruhen in Treibsand der sofort weggespült werden kann ohne das wir es überhaupt merken. Wir haben den Halt zur Erde verloren.

Der entwurzelte Stadtmensch hat keine Wurzeln mehr im Land und keinen Bezug zu der Erde die ihn nährt.

Interessanterweise trifft das nicht nur auf unsere Ernährung zu sondern auch auf unsere Kunst, Kultur, Sprache und unser Weltverständnis. Überall wo die Industrialisierung weit fortgeschritten ist treffen wir auf den globalisierten Mensch, der seine eigenen Wurzeln zugunsten Kosmopolität nicht mehr pflegt. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, das wir uns von den Städten und der Gesellschaft abwenden sollen, sondern das wir uns wieder darüber im Klaren werden müssen, wer wir sind, woher wir kommen und wer unsere Ahnen waren. Mit Ahnen meine ich nicht nur die Ahnen meines Blutes sondern auch die Ahnen des Landes, denn die meisten können ihre Familie nicht einmal mehr vier Generationen zurückverfolgen und eine Suche nach den Familienahnen wäre teilweise ein hoffnungsloses Unterfangen.

Dieses Verständnis von unserer Welt lehrt uns der naturreligiöse Glaube. Naturreligiöser Glaube bedeutet nicht, das wir nicht einmal ein Gänseblümchen verheeren würden sondern das wir ein Teil der Natur sind und nicht einmal der wichtigste. Mein Glaube ist ein Baum, der seine Wurzeln bis in die Tiefen der Erde schlägt, bis in den Grund der Ozeane, bis in die Gluten des Erdkerns, der seine Triebe zu den Sternen reckt, zu den höchsten Gipfeln der Berge und versucht die die Sonne zu streicheln und den Mond zu umarmen.

Stifterreligionen sind wie ein Turm. Gebaut aus den Steinen der einzelnen Thesen und Lehrsätze. Dieser Turm hat eine Statik, er folgt wie jedes Gebäude Gesetzen der Physik. Nimmt man aus einem Kreuzgewölbe den Schlussstein heraus stürzt es ein. Rüttelt man am Fundament bekommen die Wände Risse und der Turm neigt sich. Wind und Wetter erodieren das Gemäuer. Primärreligionen, sprich gewachsene Religionen sind wie Bäume. Schlägt man eine Wurzel ab, wächst andernorts eine neue. Schneidet man die Triebe wachsen sie dreifach nach und recken sich höher als zuvor. Fällt man den Baum spriessen neue Triebe aus den Wurzeln. Brennt man ihn ganz nieder wachsen neue Bäume aus seinen Samen um neu zu erstarken.

Das ist der Grund warum "Wir" aufstehen und unsere alten Lieder neu erklingen lassen, warum wir unsere Stimme erheben um uns neu zu behaupten. Deshalb wächst aus den Mauerritzen des Turmes der Jahrhunderte unsere Welt politisch wie religiös dominiert hat und auf den Wurzeln der alten Religionen steht neue Triebe und Wurzeln schlagen sich tief ins Gemäuer und in die Erde.

Es ist alles Leben und Kreislauf.
« Letzte Änderung: 31. Juli 2009, 22:53:45 von Bodvos »
Gespeichert
 


SimplePortal 2.3.3 © 2008-2010, SimplePortal